Uni Hamburg: Zieht Hamburgs Universität um?

Der Standort der Universität Hamburg steht auf dem Prüfstand. Der Platzmangel und zahlreiche sanierungsbedürftige Gebäude führen zu der aktuellen Diskussion um einen Umzug der Universität Hamburg. Eines der diskutierten Szenarien sieht einen Umzug vom Grindelviertel direkt auf den Kleinen Grasbrook südlich der HafenCity vor.

1911 wurde das erste Vorlesungsgebäude, das heute als Hauptgebäude der Universität dient, an der Edmund-Siemers-Allee eingeweiht. Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre erfolgte der Ausbau des Campus im Von-Melle-Park nahe der Außenalster. Eine Reihe weiterer großer Gebäude im Campus-Bereich erhielt die Universität in den Jahren 1974 und 1975. Dazu gehört das mit 22 Stockwerken hohe weit sichtbare "Geomatikum“. Im „Geomatikum“ sind die Fachbereiche Mathematik und Geowissenschaften zuhause. Im Herbst 1998 wurde der gestiftete "Flügel West" am Hauptgebäude der Universität an der Edmund-Siemers-Allee fertiggestellt und bezogen.  Die Zahl der Studierenden ist im Jahr 1919 von 1729 auf zurzeit rund 38.000 Studierende gestiegen.

Aktuell ist ein Großteil der Hochschulgebäude sanierungsbedürftig und der Platz reicht für die zahlreichen Studenten nicht mehr aus. Der Ausbau der Universität oder ein kompletter Umzug ist mit hohen Kosten verbunden. Aus diesem Grund werden verschiedenen Szenarien diskutiert, die von einer Sanierung und Modernisierung am heutigen Standort bis hin zu einem kompletten Umzug der Universität Hamburg reichen. Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach von der CDU hatte 2008 einen Neubau südlich der HafenCity auf den Kleinen Grasbrook angeregt. Hierzu hatte sie verschiedene Expertengruppen alternative Umzugs- und Neubau-Möglichkeiten analysieren lassen. Die Ergebnisse lassen sich in mehreren Szenarien zusammenfassen:

1. Sanieren und modernisieren der bestehenden Universität Hamburg
Das erste Szenario sieht die Sanierung und Modernisierung der bestehenden Gebäude im Grindelviertel vor. Hierfür sollen entsprechend nur vereinzelt Gebäude abgerissen werden. Dem gestiegenen Platzbedarf der Universität wird durch Bebauung von Freiflächen und Baulücken entgegengewirkt.

2. Kompletter Abriss und Neubau der Universität
Dieses  Szenario sieht vor die vorhandenen Universitätsgebäude, mit Ausnahme von Denkmal geschützten Gebäuden, abzureisen. Neubauten die der Universität größere Flächen bieten werden auf den geschaffenen Räumen errichtet.

3. Teilneubau auf dem Kleinen Grasbrook (Nähe HafenCity)
In diesem Szenario soll eine Verlagerung der universitären Einrichtungen an der Bundesstraße auf das Überseezentrum stattfinden Die Hafennutzung auf dem O´Swaldkai bleibt nach diesem Szenario erhalten. Die freigewordenen Flächen an der Bundesstraße werden mit Wohnungen und mit wenigen Gewerbeobjekten bebaut. Die Gebäude am zentralen Von-Melle-Park werden vorwiegend durch Neubauten ersetzt.

4. Komplette Verlagerung auf Teile des Kleinen Grasbrooks (Nähe HafenCity)
Dieses Szenario sieht einen vollständigen Umzug auf den Kleinen Grasbrook in der Nähe der HafenCity vor. Für die Entwicklung der Universität sowie eines integrierten Stadtteils werden sowohl das Überseezentrum, als auch Teile des O`Swaldkais miteinbezogen. Die Hafennutzung bleibt auf  Teilen des O`Swaldkais erhalten. Auf den freigewordenen Flächen an der Bundesstraße und am Von-Melle-Park ist eine Bebauung mit Wohnungen, Gewerbe und Kultureinrichtungen geplant.

4..1 Vollständiger Umzug mit Einbeziehung des gesamten Kleinen Grasbrooks
Hierfür findet dieselbe bauliche Entwicklung wie unter 4. statt. Im Unterschied dazu soll jedoch der O`Swaldkai komplett für Universität und Stadtentwicklung miteinbezogen werden.

Die Kosten, für die verschieden Szenarien reichen, von 1,3 Milliarden Euro für die Sanierung und Modernisierung am vorhandenen Standort bis hin zu 2,1 Milliarden Euro für einen Neubau der Universität am Kleinen Grasbrook. Die Universität Hamburg könnte den Umzug in den Hafen durch den Verkauf der teuren Grundstücke im Stadtteil Rotherbaum finanzieren. Die  inzwischen ebenfalls wertvollen Grundstücke am kleinen Grasbrook könnten ebenfalls verkauft werden um die Renovierung der Universität am bestehenden Standort zu finanzieren.

Zieht Hamburgs Universität um?
Diese Frage wird aktuell noch heiß diskutiert. In der zweiten Jahreshälfte will der Senat entscheiden, welche der Varianten umgesetzt werden soll.  Am wahrscheinlichsten gilt aktuell die Teilverlagerung, hierfür wird mit Kosten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro gerechnet.

Unabhängig davon, wie sich der Hamburger Senat entscheidet, eins kann als sicher gelten, die Kosten werden wohl um ein vielfaches höher liegen, als man uns weismachen will. Dies hat uns das Beispiel der Elbphilharmonie Hamburg deutlich vor Augen geführt.  Eine Teilverlagerung würde die Universität Hamburg noch weiter dezentralisieren, da die verschiedene Fachbereiche stark über Hamburg verteilt wären. Auch ein kompletter Umzug, wie er von der Universitätspräsidentin favorisiert wird, scheint nicht sinnvoll. Ein kompletter Umzug der Universität Hamburg führt zu den höchsten Kosten der hier diskutierten Szenarien (aktuell geschätzt 2,1 Milliarden Euro).  Als weiterer Kritikpunkt kann auch ein neues isoliertes Universitätsviertel in der Nähe der HafenCity anführen werden. Das über Jahrzehnte gewachsene Grindelviertel aus Universität, Wohngebiet, Kultureinrichtungen und Kneipen würde dann der Vergangenheit angehören.

Die Variante der Sanierung und Modernisierung am aktuellen Standort würde für den Steuerzahler die geringsten Kosten bedeuten, was gerade in Zeiten knapper Kassen und Wirtschaftskrise vernünftig wäre.  Was die gesamte Diskussion um den Umzug der Universität jedoch verschleiert ist der Investitionsbedarf in die Lehre und Forschung. Trotzt eingeführten Studiengebühren hat sich in der Vergangenheit eher wenig an der Universität Hamburg getan. Was nützt der Stadt Hamburg und dem Steuerzahler eine “Prestige Uni“ mit Blick auf die Elbphilharmonie, wenn dann das Geld für gute Dozenten, Lehrmaterial und Forschung fehlt.

 

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Zulässige HTML-Tags: <em> <strong> <cite> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <a>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage ist als Spamschutz nötig
5 + 1 =
Lösen Sie dieses einfache mathematische Problem und geben Sie das Ergebnis ein. Für 1 + 3 geben Sie z.B. 4 ein.