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Ob luftige Seidenschals, feine Krawatten, schimmernde Pyjamas oder zartes Negligés - Seide ist der 5000 Jahre alte Stoff, aus dem die Träume sind. Er glänzt, ist weich, besticht durch zeitlose Eleganz - und hat bekanntlich seinen Preis. Kein Wunder, denn von einer kleinen, schwarz behaarten Raupe zum Luxus-Stoff ist es ein langer Weg
Wie neuere Forschungen zeigen, stellte man Seide womöglich erstmals im Indus-Gebiet des heutigen Pakistans her.
Gleichzeitig nahmen sich die Alten Chinesen der Seidenproduktion an. Ihr streng gehütetes Geheimnis gelangte durch zwei Mönche persischer Abstammung nach Europa. Obwohl auf die Ausfuhr von Raupen und ihren Eiern die Todesstrafe stand, ebnete der Eier-Schmuggel den Weg für die Seidenherstellung außerhalb des ‘Land des Lächelns‘.
Hinter der feinen, starken Naturfaser, in die sich einst schon Napoleon begeistert hüllte, verbirgt sich ein Vielfraß namens Maulbeerspinner. Diese Raupe produziert Fäden, aus denen Seide hergestellt wird. Allerdings müssen Licht, Raumtemperatur und Verköstigung auch stimmen, damit die anspruchsvollen ‘Spinn-Meister‘ aktiv werden.
Den Anfang machen die 200 - 800 Eier, die von dem ursprünglich in China beheimateten Nachtschmetterling gelegt werden. Etwa zehn Tage später schlüpfen winzige Raupen von zwei bis drei Millimetern Länge, die sich nach drei weiteren Tagen mehlig-weiß färben. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist nach der ersten Häutung das Fressen. Unmengen werden von den frischen, fachgerecht zerkleinerten Blättern des Maulbeerbaumes vertilgt. Einen Monat inklusive 4 Häutungen später ist die Raupe etwa fingerdick und hat damit das 40. 000 - fache ihres Ausgangsgewichtes erreicht. Zeit, sich zu verwandeln!

Vor der Verpuppung spinnt die Raupe zunächst ein Gewirr aus Seide, die so genannte Flockseide, eine Art Halterung für den Kokon. Dann bewegt sich die Raupe in Form einer Acht und umgibt sich in einen etwa 3 Kilometer langen Faden, wobei vier Unterlippen-Drüsen aktiv werden. Zwei Drüsen spinnen jeweils gleichzeitig einen aus Eiweiß (Fibrin) und Klebstoff (Sericin, Seidenbast) bestehenden Faden. Wie bei der Anfangsphase der Seidenproduktion muss behutsam in der Zucht vorgegangen werden, damit die empfindsamen Raupen ihre erstaunliche Spinn-Kunst entfalten. Üppiges Parfum und Lärm irritieren sie ebenso wie Zugluft oder grelle Lichtverhältnisse.
Form und Farbe des Kokons hängen ganz von der Zucht ab. Die sich darin befindliche noch aktive Raupe transformiert langsam zur ruhenden Puppe. Dass sie nicht zum Schmetterling heranreift, verhindert der Züchter durch die Tötung der Larve - andernfalls wären ihm die Seidenfäden nicht zugänglich. Überleben dürfen lediglich Schmetterlinge für die Nachzucht.
Die oberste, grobe Kokonschicht kommt abgekämmt oder abgezupft als Florettseide auf den Markt. Die Reste des Kämmens, stumpfe Bouretteseide, werden grob gesponnen. Feste, nicht glänzende Roh- oder Bastseide entsteht erst beim Abwickeln der obersten Schicht. Rohseide dient dann als Basis für Seidenprodukte aller Art, deren Glanz und Qualität individuell durch die Befreiung vom Seidenbast bestimmbar sind. Glanzseide, die reinste Form, ist immer noch eine der kostspieligsten Seidenformen.
Neben dem Maulbeerspinner produzieren auch eine im Mittelmeerraum vorkommende Muschel (Byssus-Seide) sowie der Tussahspinner die Naturfaser (Wildseide).
Lange war Seide nur wohlhabenden Menschen vorbehalten. Heutzutage begegnet sie uns weit verbreitet in Form von vielfältigen Produkten. Ein traditionsreicher Stoff, der auch im Zeitalter von Polyester & Co. Bestand hat. Am weitesten verbreitet sind Seidenblusen, Seidentücher und Seidenschals.
Nicht zuletzt wohl auch wegen seiner vorteilhaften Eigenschaften: Knitterarm, hautfreundlich, dehnbar, schnell trocknend und Temperatur - regulierend. Auch Gerüche oder Schmutz können der Oberfläche nicht so leicht etwas anhaben. Lediglich bei der etwas aufwändigeren Pflege erinnert Seide an wenig an seine anspruchsvollen Erzeuger…
Weiterführender Hinweis:
Was mit Seide alles machbar ist, demonstriert das in Hamburg ansässige Unternehmen Seidenhandel Haller, das die neue Sommerkollektion von Seidentüchern entworfen hat.
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