Gewaltvorwürfe an der neuen Schule Hamburg

Im letzten Schuljahr 2007 öffnete die "Neue Schule Hamburg" im Hamburger Stadtteil Rahlstedt ihre Pforten. Mit einem Lehr- und Lernkonzept nach dem Sudbury Modell stellt die Privatschule eine weitere Alternative zu staatlichen Schulen dar. Nun berichtete der "Stern" von Gewalt unter den Schülern und Missorganisation...

 

In den Medien wird die "Neue Schule Hamburg" gern als "Nena- Schule" bezeichnet, obwohl Gabriele (Nena) Kerner häufig in Interviews und Talkshows vor der Eröffnung der Schule betonte: "Das ist keine Nena- Schule". Aber bei dem prominenten Namen Nena horchen potentielle Konsumenten einschlägiger Medien wohl doch eher auf. Die Neue Schule Hamburg wurde von Silke Steinfadt, Philipp Palm, Thomas Simmerl und Nena gegründet. Palm und Simmerl fungieren beide als Schulleiter. Die Privatschule im Osten Hamburgs lehnt sich stark an das Konzept der Sudbury Valley School aus Massachusetts, die 1968 ins Leben gerufen wurde, an.

Der zentrale Punkt der Neuen Schule Hamburg, wie auch der meisten anderen Sudbury Schulen, ist die Selbstbestimmung der Schüler. Gemeinsame Regeln werden in der Schulversammlung nach demokratischen Prinzipien verabschiedet. Der Schulversammlung gehören die Schüler, Lehrer und auf Wunsch der Schüler auch Eltern an. Verstöße gegen diese Regeln werden von einem Gremium der Schulversammlung, dem Lösungskommitee, bearbeitet. Das Lösungskommitee besteht aus Schülern und Lehrern, die Teilnahme ist Pflicht. Wie sich der Unterricht gestaltet, entscheiden die Schüler. Ebenso, mit welchem Stoff sie sich gerade beschäftigen wollen. Es gibt keine festen Stundenpläne, Klassenverbände und Zensuren nur auf Wunsch. Die Kinder lernen in Gruppen, deren Interessen übereinstimmen. Sie arbeiten Antworten auf bestimmte Fragen gemeinschaftlich eigenständig aus und wenden sich an ihre Lehrer, wenn Fragen offen bleiben oder überhaupt Rat gesucht wird. Es gibt kein starres System wie an den staatlichen Schulen.

Ob dieses Lern- und Lebens- Konzept erfolgversprechend ist, wird von vielen Kritikern immer wieder angezweifelt. Die jüngsten Aussagen eines ehemaligen 10jährigen Schülers im Magazin "Stern": "Die großen Schüler haben mich getreten, an den Kopf und ins Gesicht. Einmal hat sich ein Großer auf meine Brust gesetzt, bis ich keine Luft mehr bekam." Und weiterhin eine Mutter in der "Bild": "Es wurde dort fast nicht gelernt. In den drei Monaten, die mein Sohn dort war, hatte er höchstens zehn Mal Mathe oder Französisch." werden die Zweifel weiter nähren.

 

Chaotische Zustände also an der neuen Schule Hamburg? Prügel an der Tagesordnung? Wohl kaum. Die Vorfälle und Vorwürfe, die derzeit vorwiegend in den Print- Medien in Zusammenhang mit der Neuen Schule Hamburg hochgekocht werden, sind keineswegs aktuell. Zwar bestreitet die Schulleitung einzelne gewalttätige Übergriffe unter den Schülern, die schon länger zurückliegen und auch keineswegs geduldet werden genauso wie organisatorische Engpässe in der Startphase nicht, ordnet den "Stern"- Bericht jedoch im Grenzbereich der Verleumdung ein.
Weiterhin Nena in einem kurzen "Bild"- Interview: "Bei uns gibt es, wie an jeder anderen Schule, auch mal Kloppe. In der Anfangsphase erlitt ein Junge im Streit sogar eine Gehirnerschütterung. Das will ich nicht beschönigen. Aber leider kann man so etwas nicht immer verhindern. Seit Monaten gab es jedoch keinen solchen Vorfall mehr."

 

Aber lernen die Schüler der neuen Schule Hamburg nun wirklich genug für ihr späteres Leben? Diese Frage beschäftigt wohl viele Eltern, die für ihre Kinder eine freiere und angenehmere Schulzeit an der alternativen Schule suchen. Jedoch kann diese Frage bei einem so jungen Schulprojekt wie der freien Schule Hamburg natürlich noch gar nicht beantwortet werden. Die Zeit wird es zeigen. Ohne Vertrauen in die eigenen Kinder, das Schulkonzept und die aktiven Lehrkräfte sollte man vielleicht besser eine Anmeldung der eigenen Kinder überdenken.
Die Sudbury Valley School in den USA kann jedenfalls mit sehr passablen Ergebnissen aufwarten. Nach zwei veröffentlichten Studien schneiden die Schüler in freiwilligen Tests der staatlichen Schulbehörden im Vergleich zu Schülern von staatlichen Schulen im Durchnitt um fast 20 Prozent besser ab. Zirka 80 Prozent besuchen eine Universität oder ein College, davon werden 90 Prozent an der Bildungsstätte ihrer Wahl angenommen. Die große Mehrheit der Absolventen arbeitet später in ihrem Wunschberuf.

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