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Günter Grass: Beichte gut, Zölibat fragwürdig

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Günter Grass äußerte sich, im Gegensatz zu politischen und sexuellen Themen, nicht gerade häufig über die Institution Kirche. "Radio Vatikan" veröffentliche Ende April ein Interview mit dem Schriftsteller, in dem er unter anderem über Beichte und Zölibat sprach...

Der Schriftsteller Günter Grass griff das Thema Zölibat in einem mit "Radio Vatikan" geführten Interwiew auf, nachdem er durch ein Zitat des Philosophen Habermas auf bestimmte kulturelle Bausteine als Paradigmen der katholischen Kirche hingewiesen wurde. Vor dem Hintergrund sexueller Übergriffe durch Priester gegen Kinder in Amerika monierte der mehrfache Buch- Autor, Kritiker und Maler, dass es einfach nicht ausreiche, wenn sich der Papst nun mit der Problematik auseinandersetze, die Opfer besucht und Entschuldigungen ausspricht. Grass kritisierte die fehlende Frage nach den Ursachen und diesbezüglich der Aufrechterhaltung des Zölibates. Es mangele stark an einer offenen Diskussion über den Sinn der geforderten Enthaltsamkeit vom katholischen Klerus.

Der Zölibat wird immer wieder, gerade im Zusammenhang von sexuell-moralischen Verfehlungen durch katholische Amtsinhaber, als mögliche Ursache, beziehungsweise Mitursache stark kritisiert und heftig kontrovers diskutiert. Experten können einen konkreten Zusammenhang jedoch bis heute nicht bestätigen.

 

In der Tat haben einige Gründe, die zur Einführung des Zölibat- Gesetzes im 11. Jahrhundert führten, längst ausgedient. Zu damaliger Zeit war es beispielsweise üblich, dass sich das Amt des Vaters durch Vererbung auf den Sohn übertrug. Dies stand allerdings im Widerspruch mit dem zentralistischen Gedanken der Kirche, die durch die Einhaltung des Zölibates dieses Problem aus dem Wege räumen konnte und somit die Unabhängigkeit von Stand und Vermögen der Anwärter auf das Priesteramt weiter stärken konnte. Auch zahlreiche andere Gründe haben mittlerweile längst "ausgedient". Die innerkirchlichen kritischen Stimmen, die nach der Abschaffung des caelebs rufen, werden zudem ebenfalls lauter.

Positiv sprach sich Grass, der vor allem für sein Werk als Schriftsteller mit dem Nobelpreis geehrt wurde, über die Einführung der Beichte durch die Kirche aus. Durch die Schweigepflicht des Beichtvaters kann sich der Beichtende seelisch erleichtern, ohne öffentliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Grass sieht dies als "eine sehr menschliche Geste" und findet "Die Beichte ist etwas sehr Gutes".