Ratgeber: Ehe / Beziehung retten

Früher oder später ergeben sich in jeder Ehe und Beziehung gewisse Probleme, die sich bis zu einer ausgewachsenen Krise mit anschließender Trennung steigern können. Um es nicht so weit kommen zu lassen oder eine Trennung in eine Aussöhnung zu verwandeln, lohnt es sich immer, aktiv etwas für die Partnerschaft zu tun, um wieder mehr Nähe, Vertrautheit und gegenseitiges Verständnis zu erlangen.

Beobachten Sie ihr eigenes Verhalten in ihrer Ehe oder Beziehung

Wenn Sie ihre Beziehung oder Ehe retten möchten, ist es zunächst sehr hilfreich, herauszufinden, welche eigenen Verhaltensmuster sich negativ auf die Beziehung oder Ehe auswirken. Gründe für Beziehungsprobleme bei dem Partner oder der Partnerin zu suchen, führt in der Regel zu nichts.
Beobachten Sie sich einmal selbst. Welches ungünstige Verhalten legen Sie in ihrer Ehe oder Beziehung immer wieder an den Tag? Sind Sie vielleicht eifersüchtig? Oder behandeln Sie ihren Partner / ihre Partnerin herablassend? Vielleicht glauben Sie auch, dass nur Sie im Recht sind, bevormunden und lassen die Meinung ihres Gegenüber nicht gelten? Ertappen Sie sich dabei, ihren Partner emotional zu erpressen - in etwa: "Wenn du mich aufrichtig lieben würdest, hättest du so etwas aber nicht getan"? Wie sieht es mit ihrem Nähe- Distanz Verhalten gegenüber ihrem Partner aus? Neigen Sie zum "Klammern" oder lassen Sie den Partner gar nicht wirklich an sich heran? Kritisieren Sie nur noch und sehen die positiven Seiten des Partners nicht mehr? Haben Sie vielleicht derart hohe Ansprüche an ihren Partner, dass diese kaum zu befriedigen sind? Wie stehts mit ihrer Kompromissbereitschaft?

Denken Sie einmal darüber nach und reflektieren Sie ihr Verhalten.  Ziehen Sie gegebenenfalls auch ein Resümee vergangener Ehen oder Beziehungen. Je mehr und besser Sie sich "durchschauen", desto wahrscheinlicher wird es ihnen gelingen, für eine Beziehung unvorteilhafte Verhaltensmuster zum positiven zu wenden. Aber suchen Sie keinesfalls nach einer Schuld an Beziehungsproblemen. Weder bei sich, noch bei ihrem Partner oder vielleicht bereits Ex- Partner. Darum geht es in keiner Weise. Wir alle haben durch unsere Erfahrungen vom Kleinkind- Alter an bestimmte Beziehungsmuster erlernt, die mehr oder weniger unbewusst von -nicht immer positiven- Emotionen gesteuert werden. Die Frage ist letztlich, wie gut wir damit umgehen können, beziehungsweise wie wir  Verhaltensmuster, die einer gesunden Beziehung im Wege stehen, ablegen können. Manchmal ist dafür auch therapeutische Hilfe nötig.

Angemessene Kommunikation hat hohes Potential eine Ehe / Beziehung zu retten

Wahrscheinlich kennen Sie genug Situationen, in denen Sie das Gefühl haben, nicht mehr vernünftig mit ihrem Partner reden zu können. Wenn es um persönliche Dinge und Ihre Ehe / Beziehung geht, hagelt es oft nur Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Ihr Partner und Sie verletzen sich häufig und Gespräche enden meist im Streit. Vielleicht haben Sie auch resigniert und die persönliche Kommunikation gänzlich eingestellt und fühlen sich weit vom Partner entfernt und fremd. Wie auch immer, miteinander reden ist für eine Partnerschaft unabdingbar, ganz besonders, wenn Sie ihre Ehe / Beziehung retten wollen.

Versuchen Sie doch einmal in der reinen Ich- Form mit ihrem Partner zu reden, wenn es um beziehungsrelevante Dinge geht. Dabei vermeiden Sie möglichst konsequent die Wörter "Du" und "Wir" im gemeinsamen Gespräch! Wenn Sie nicht "Du" und am besten auch nicht "Wir" sagen, bleiben Sie bei sich  und können nur so formulieren, dass sich ihr Gegenüber kaum angegriffen fühlen kann. Ebenfalls empfehlenswert ist die Vermeidung von Fragen. Fragestellungen in einem Paargespräch haben oft vereinnahmenden Charakter. Wenn es also irgendwie geht, keine Fragen.

Dazu ein Beispiel: Angenommen, ihr Partner ist gestern Abend entgegen einer Absprache ohne Bescheid zu sagen erst  nach Mitternacht nach Hause gekommen. In ihnen hat das wahrscheinlich Gefühle wie Ärger oder  Besorgnis hervorgerufen. Sie möchten ihren Partner zur Rede stellen und  ihrem Ärger Luft machen.

Sie könnten ihm / ihr sagen:

"Wo warst du gestern Abend bloß? Kannst du denn nicht Bescheid geben, wenn du schon entgegen unserer Abmachung nicht nach Hause kommst? Ich bin wirklich stinksauer wegen dir und hoffe, dass du das nächste Mal anruftst, wenn du nicht zu erscheinen gedenkst."

Sie könnten aber auch sagen:

"Ich bin ehrlich verärgert, weil ich gestern Abend bis Mitternacht umsonst gewartet hab und ich furchtbar in Sorge war. Ich wünsche mir in so einer Situation, dass ich darüber informiert werde, wenn ich den Abend allein verbringen muss. Außerdem brauch ich mir dann auch keine Sorgen zu machen. Ich würde jetzt bitte gerne den Grund dafür erfahren!"

In den beiden Beispielen treffen Sie im Grunde die gleichen Aussagen: Dass Sie über sein / ihr Nichterscheinen und die Warterei verärgert sind. Dass sie einen Anruf erwarten, wenn ihr Partner / ihre Partnerin nicht wie vereinbart erscheint und dass Sie wissen wollen, warum Sie versetzt wurden.
Im ersten Beispiel wird der vermeintlich unzuverlässige Partner jedoch gleich mit einem Vorwurf, einer Schuldzuweisung und einer Forderung konfrontiert. Die Formulierung als Frage engt zusätzlich ein.  Er oder Sie wird sich sehr wahrscheinlich in erster Linie angegriffen fühlen und sich in ähnlicher Weise Ihnen gegenüber verteidigen. Ein Streit ist vorprogrammiert.

Im zweiten Beispiel bleiben sie durch die "Ich- bezogene" Redeform  jedoch bei sich und drücken trotzdem ihren Ärger und ihre Erwartungen aus, ohne ihr Gegenüber zu attackieren. Dadurch erhält ihr Partner den nötigen Raum um Sie einerseits zu verstehen und andererseits vernünftig erklären zu können, warum er / sie nicht zum vereinbarten Termin erschienen ist. In diesem zweiten Beispiel werden sie am ehesten ein: "Tut mir Leid" hören und die Sache ohne weiteren Grummel ad acta legen können. 

Probieren Sie diese "Ich- Form" doch in ihrem Beziehungsalltag aus. Wenn es um persönliche, die Ehe oder Beziehung betreffende Dinge geht, kein "Du", kein "Wir" und möglichst keine Fragen! Zunächst wird das nicht auf Anhieb gelingen, alte Gewohnheiten lassen sich nicht von heute auf morgen über Bord werfen. Aber wenn Sie sich diese Form der Kommunikation immer wieder bewußt machen und verinnerlichen, wird ihnen das "Du" und "Wir" immer seltener rausrutschen und ihre Gespräche werden wieder mehr zu gegenseitigem Verständnis und Vertrauen beitragen. Bedenken Sie: Durch die Ich- Form können Sie kaum die Grenzen ihres Partners, bzw. ihrer Partnerin übertreten. Sie können schwer ausweichen, Vorwürfe machen, ein schlechtes Gewissen vermitteln und vermeintliche "Schuld" abschieben. Dadurch werden Sie entschieden nahbarer, wirken ehrlicher  und wieder liebenswerter. Ihr Partner kann sich wieder viel besser auf Sie beziehen. Gerade in angespannten und kritischen Situationen kann eine derartige Kommunikation immens dazu beitragen, ihre Ehe / Beziehung zu retten, wenn Sie es denn praktizieren. Der Partner sollte natürlich auf lange Sicht mitmachen. Wenn er oder sie nicht von allein auf den Trichter kommt, ihrem Beispiel zu folgen, schlagen Sie doch die gemeinsam angewandte "Ich- Form" vor und verabreden Sie zusammen die  Regeln: Kein Du, kein Wir und keine Fragen! Aber seien sie auch nachsichtig mit sich, wenn es nicht sofort klappt und nehmen Sie es mit Humor. Bewußt kommunizieren ist auch eine Trainingsfrage.  Sollte er oder sie sich sträuben, bitten Sie einfach um einen unverbindlichen Test mit der Begründung, dass sie beide schließlich nur gewinnen können.

Ist die Kommunikation zwischen ihnen bereits zum Erliegen gekommen, können Sie ihrem Partner / ihrer Partnerin vorschlagen, sich ein- bis zweimal die Woche zu einem festen Termin eine Stunde Zeit für ihr persönliches Paargespräch zu nehmen. Zu diesen Terminen können Sie sich gegenseitig erzählen, wie sich sich mit bestimmten Dingen fühlen, welche Wünsche sie in der Ehe / Beziehung haben und welche Erwartungen sie hegen oder welche Ängste in ihnen schlummern. Wenn Sie es in diesem Rahmen schaffen, bei sich zu bleiben, hat ihre Kommunikation therapeutische Wirkung.

Hilfe von Dritten

Können Sie ihre Konflikte nicht selber in Gesprächen lösen, ist die Hilfe von dritten Personen eine weitere Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden kann, um eine angeschlagene Ehe oder Beziehung zu retten. Das kann einerseits ein(e) professionelle(r) Therapeut(in) sein oder aber auch ein guter gemeinsamer Freund oder Freundin, der oder die als eine Art Mediator (Vermittler) fungiert. Vielleicht kennen Sie eine vertraute Person, die unparteiisch, beziehungsweise allparteiisch ist und auch Diskretion wahren kann. Ein Vermittler sollte ihre Paargespräche in der Form lenken, dass Sie und ihr Partner fair zueinander bleiben und die Kommunikation zwischen ihnen nicht im Streit eskaliert.

Ehe / Beziehung retten, wenn der Trennungsprozeß bereits läuft, bzw. abgeschlossen ist

Wenn Sie spüren, dass ihr Partner / ihre Partnerin ihre gemeinsame Ehe oder Beziehung bereits innerlich beendet hat oder schon verbal "Schluss" gemacht hat, dann lassen Sie ihn oder sie am besten erst einmal ziehen und Distanz gewinnen, auch wenn es schwerfällt. Distanz ist nicht die schlechteste Ausgangssituation, um eine Ehe / Beziehung doch noch zu retten, oder besser gesagt, einen reiferen Neuanfang zu starten.

Vorläufig können Sie trotzdem eine Menge tun, indem Sie sich jetzt wieder verstärkt um sich selber kümmern und nicht den Kontakt zu ihrem (Ex)- Partner suchen!  Versuchen sie statt dessen, alte Freundschaften wiederzubeleben, vernachlässigten Hobbys zu frönen, mal wieder etwas an ihrem Äußeren zu ändern oder neue berufliche Ziele in Angriff zu nehmen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es schadet natürlich nicht, wenn ihr entschwundener Partner davon erfährt. Ganz im Gegenteil, nur sollte er /sie es besser durch andere erfahren. Warum?

Derjenige Partner, der die Ehe / Beziehung für sich aufgegeben hat, ändert aus der Distanz heraus häufig seine Sichtweise auf den verlassenen Partner. Er oder sie wird sich im Laufe der Zeit stärker des eigenen Anteils bewusst, der zur Trennung geführt hat. Oft keimen dann Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung auf, vor allem, wenn der oder die Ex aufblüht, aktiv ist und mehr Eigenständigkeit und Lebensfreude gewinnt. Plötzlich wirkt der Expartner wieder attraktiv, sogar einstige Schwächen erscheinen wie Stärken. Aus anfänglicher Neugier wächst häufig das heimliche Verlangen, zum ehemaligen Ehe- oder Lebenspartner zurück zu kehren, selbst wenn es bereits einen neuen Partner gibt. Je mehr Sie also für sich selber tun, desto mehr wird es einem Neuanfang entgegenkommen. Aber vergessen Sie im Falle einer erneuten Annäherung nicht ihre alten, ungelösten Konflikte, sonst werden Sie früher oder später wieder in der alten Beziehungskiste sitzen.

Weiterführender Tipp, auch lesenswert für Paare, bei denen es kriselt:
Expartner zurück gewinnen! Ebook und Hörbuch vom professionellen Beziehungscoach

Kommentare

Ja das stimmt, man sollte die

Ja das stimmt, man sollte die alten ungelösten Probleme zwar nicht vergessen aber in der Praxis zeigt sich die Sache ganz anders. man sagt, ja man vergisst dies aber im Grunde es bleiben immer welche Scherben da. Man muss also wirklich sehr konsequent sein und wirklich versuchen zu vergessen denn sonst ist die Beziehung wieder an demselben Punkt gelangt.

Art zu kommunizieren

das mit der ich-bezogenen Rede funktioniert tatsächlich.. man muss ich nur erst mal dran gewöhnt haben. Ich hab das mit meinem Freund ausprobiert, da wir in letzter Zeit nur noch streiten. Cooler Tipp, auch wenn mir hin und wieder noch das "du" rausrutscht, unsere Kommunikation hat sich deutlich verbessert und trägt merklich wieder zu unserer Annäherung bei... LG Suse

Mein Mann will die Trennung

Ich weiß nicht weiter. Am Montag sagte mir mein Mann das er vor zwei wochen eine Frau kennengelernt hat auf seiner arbeit und das es was ganz anderes war und Gefühle entstanden sind.Das kann doch nicht sein er läuft vor den ganzen Problemen weg er versucht es nicht einmal sie zu vergessen. wir sind knapp 7Jahre verheiratet und 10 jahre zusammen.Ich leibe Ihn und will ihn nicht gehen lassen. er schläft schon zwei tage zu hause und ich vermisse seine Nähe weil ich nicht damit klar komme. wir reden lange aber er sagt oder schüttelt mit dem Kopf das er sie nicht raus bekommt. was soll ich denn machen? scheidung kommt nicht in Frage....Gestern nach unserem gespräch hat er mich gedrückt und auf meine Wange geküsst..das tat so gut seine Nähe....

@Jaqueline

oh du Ärmste, das tut mir echt Leid für dich. Ich kann sehr gut verstehen, was du jetzt durchmachst, bei mir war es ungefähr auch so. Eine Andere kam ins Spiel und mein langjähriger Freund war hin und weg. Alles schien verloren und so hab ich mir den Ratgeber vom Beraterteam - auf den auch hier im Artikel hingewiesen wird- heruntergeladen. Ich kann dir diese Lektüre nur empfehlen, wenn du deine Beziehung retten willst. Jetzt im Schmerz und Zustand emotionaler Verwirrung lechzst du ihm natürlich hinterher. Das ist absolut verständlich. Aber mit meinem jetzigen Wissen und aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, das er dadurch höchst wahrscheinlich nicht zu dir zurück kommen wird. Jetzt kommt es vielmehr darauf an, was du für DICH tust und wie du auf ihn wirkst. Aber lies am besten selbst.....

Stimme zu

Ich stimme voll und ganz zu. Bin mir aber trotzdem nicht sicher ob die Partnerschaftr noch zu retten ist. Mal sehen

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Zulässige HTML-Tags: <em> <strong> <cite> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <a>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage ist als Spamschutz nötig
1 + 1 =
Lösen Sie dieses einfache mathematische Problem und geben Sie das Ergebnis ein. Für 1 + 3 geben Sie z.B. 4 ein.