Bezahlinhalte auf YouTube und die Zukunft des Videoportals

Bezahlinhalte auf YouTubeYouTube wurde 2005 gegründet und schon ein Jahr nach seinem bestehen von Google für 1,65 Milliarden US-Dollar übernommen. Seit dieser Zeit hat sich YouTube zur führenden Plattform für Online-Videos entwickelt. Das Video-Portal wird aktuell von Google vorwiegend über Werbung finanziert. Auf dem US-Markt hat das Unternehmen Verträge mit zahlreichen Partnern wie zum Beispiel Sony Pictures, BBC und MGM geschlossen, um seine Vermarktungsstrategie zu erweitern. 

Die Verträge erlauben es dem Video-Portal Betreiber tausende TV-Episoden und hunderte Filme online zu Verfügung zu stellen. Die Filme und TV-Episoden sollen dem Publikum über Pay-per-View angeboten werden. Dies bedeutet, dass der Zuschauer pro Film, eine entsprechende Gebühr bezahlen muss.  Google Chef Eric Schmidt geht davon aus das zukünftig Abomodelle und Mikrobezahlsysteme das bisher rein werbefinanziertes Geschäftsmodell erweitern werden. Wann dieses Geschäftsmodell  auch auf dem deutschen Markt Einzug halten wird ist noch unklar.

Bezahlinhalte auf YouTubeDiese erneute Strategieausrichtung von Google kommt etwas überraschend, da die bisherigen Bemühungen, YouTube zu einem gewinnbringenden Video-on-Demand-System auszubauen nicht erfolgreich waren. Im August 2007 hatte das Unternehmen in den USA seinen kostenpflichtigen Dienst für TV-Serien und Musik-Clips komplett eingestellt. Google wollte sich danach vorwiegend auf werbefinanzierte Dienste konzentrieren. Über den erneuten Einstieg in das Video-on-Demand Geschäft kann nur spekuliert werden.
Ein Grund hierfür könnte der große Verlust sein, den Google mit YouTube nach wie vor einfährt. Der Schweizer Finanzdienstleister Credit Suisse schätz den Verlust für dies Jahr auf ca. 470 Millionen Dollar. Der Finanzdienstleister geht davon aus, das nicht einmal 3 Prozent der für Werbung geeigneten YouTube-Seiten mit kommerziellen Anzeigen versehen werden.  
Der aktuelle Streit mit der Verwertungsgesellschaft GEMA, der seit Anfang dieses Jahres in Deutschland geführt wird, kann zusätzlich zu höheren Kosten führen. Die GEMA verlangt nicht wie bisher von YouTube eine Pauschale zum Zeigen von Musikvideos, sondern möchte pro Videoabruf an den Werbeeinnahmen beteiligt werden. YouTube hat darauf hin die betroffenen Musik-Videos gesperrt. Zuvor hatte das Unternehmen die Musikvideos für britische Internetnutzer gesperrt, dort gibt es einen ähnlichen Streit mit der dort ansässigen Verwertungsgesellschaft PRS. Der Ausgang für beide Konflikte ist noch offen, da es für alle Beteiligten um viel Geld geht.

Betrachtet man die Entwicklungen auf dem TV-Markt, so fällt auf, dass immer mehr Hersteller Fernsehgeräte entwickeln, die über einen integrierten Internetzugang verfügen. Diese Endgeräte ermöglichen dem Zuschauer auf eigene Fotoalben, YouTube Videos und weitere Inhalte des Internets zuzugreifen. Eine sehr wahrscheinliche Entwicklung ist die Verschmelzung des Fernsehens mit dem Internet. Filme und Videos werden per Internetzugang (Video-on-Demand) zu einem beliebigen Zeitpunkt abgerufen und interessenbezogenen Nachrichten werden automatisch aus dem Internet eingeblendet. Der Nutzer hat so die Möglichkeit sein eigenes TV-Programm und Nachrichtenschwerpunkte zu bestimmen. Es bleibt die Frage ob YouTube ohne kommerzielle Musik-Videos auskommt, um diesen zukünftigen Markt zu bedienen.

Mit einer Entwicklung in Richtung Video-on-Demand für "den Fernseher im Wohnzimmer", die dem Zuschauer gezielt Filme, Videos und Nachrichten bietet würden sich Millionen von neuen Kunden erschließen, die vorrangig das Fernsehen als Unterhaltungsmedium und Informationsquelle nutzen.
Wie die Zukunft von YouTube aussehen könnte, lässt sich an der aktuellen Entwicklung in Richtung professioneller Inhalte wie Filme und TV-Episoden ableiten. Neben den von Nutzern selbst erstellten Vidoes, baut YouTube somit sein Unterhaltunsangebot aus. Dabei zielt YouTube wahrscheinlich nicht nur auf Internetnutzer ab, sondern hat auch "den Fernseher im Wohnzimmer" fest im Fokus. Es bleibt abzuwarten ob der Kunde bereit ist für Filme und Inhalte zu bezahlen oder sich eine klassisch werbefinanzierte Vermarktung durchsetzt.

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